Die Bergwelten Bulgariens - Eine Reise durch das Balkangebirge

Die Bergwelten Bulgariens - Eine Reise durch das Balkangebirge

Hand aufs Herz: Wenn Sie an Bulgarien und seine Geographie denken, woran genau denken Sie dann zuerst? An die Schwarzmeerküste? Haben wir uns gedacht. Wussten Sie jedoch, dass das Landesinnere Bulgariens ebenfalls mit unvergleichlicher landschaftlicher Schönheit aufwarten kann? Dass zum Beispiel die vier Gebirge Bulgariens - neben dem Balkangebirge Rila, Pirin und Rhodopen - nicht nur zu den urspünglichsten und naturbelassensten Gegenden Europas gehören, sondern außerdem zu den abwechslungreichsten und interessantesten Landschaften des ganzen Kontinents?

Folgen Sie uns auf eine kleine Reise in das Balkangebirge. Machen Sie sich bereit für die Begegnung mit den letzten wild lebenden Braunbären des Kontinents, mit Karakatchan-Schafen und mit einem ganz besonders pikanten Käse. In einer rundum faszinierenden Welt, in der Mensch und Natur noch weitgehend und auf heute sehr selten und kostbar gewordene Weise im Einklang miteinander leben.

Die Felsen von Belogradchik - Ein imposanter Einstieg in den Westbalkan

Wer bei Belogradchik im Nordwesten Bulgariens auf eine Expedition in das Balkangebirge startet, wird dafür gleich zu Beginn seines Trips mit atemberaubenden Momenten und Ausblicken belohnt. Denn direkt bei der Stadt mit der weißen Festung liegt zwischen den Höhenzügen Veneza und Vedernik ein etwa dreißig Kilometer langes und zehn Kilometer breites Felsgebiet, dessen rötlich schimmernde Zacken, Türme und Grate wie skurrile Skulpturen aus den von dichtem grünem Wald bewachsenen Tälern und Schluchten in den blauen Himmel ragen.

In grauer Vorzeit durch Bewegungen der europäischen Kontinentalplatte hervorgebracht, nehmen diese Felsformationen aus rotem Sandsteinkonglomerat seit jeher eine wichtige Rolle in der regionalen Volksmythologie ein. Einige sehen aus wie menschliche Gesichter, andere wie Tiere oder Gegenstände und Gestalten. Fast alle von ihnen tragen traditionell einen eigenen Namen wie etwa "Elefant" oder "Adams und Evas erster Kuss". Jedes Dorf in der Gegend rund um Belogradchik pflegt bis heute seine Geschichten und seine Beziehung zu dem ein oder anderen Felsen in direkter Nähe.

Die Felsen von Belogradchik sind ein nahezu perfekter, riesengroßer und völlig natürlicher Erlebnispark für Kinder und Erwachsene, der sich für Sie vor allem dann als Reiseziel anbietet, wenn Sie gerne wandern. Zahlreiche traumhafte Touren und Panoramen stehen zu Ihrer Auswahl. Sie können sogar unterirdische Höhlen erkunden, zum Beispiel die Magura mit ihren an gotische Kathedralen gemahnenden Sälen und ihren rund siebenhundert steinzeitlichen, vermutlich bis zu 12.000 Jahre alten Wandmalereien. Für Kletterer ist das Gebiet ebenfalls ein Paradies, wenn auch eines, das besondere Fähigkeiten im Umgang mit dem leicht bröckeligen Sandsteinkonglomerat verlangt.

Stara Planina - In der Weite des Alten Gebirges

Zunächst weiter in Richtung Südwesten und tiefer in das Balkangebirge reisend - das sowohl die Bulgaren als auch die Serben übrigens Stara Planina - altes Gebirge nennen, - verändert sich die Landschaft. Die Täler werden breiter und sind durch bäuerliche Nutzung, fruchtbare Felder und duftende Wiesen geprägt. Die Berge wirken hier in der Nähe zur serbischen Grenze wie pyramidenartig inmitten der prächtigen Landschaft thronende, wuchtige aber sanfte Majestäten. Das Gebirgsklima ist auf den Hochebenen und in den Tälern im Sommer so mild, dass neben zahlreichen heimischen Kulturpflanzen und Wildkräutern selbst tibetanische Goji-Beeren gedeihen. In dieser Region liegt auch das Tschuprene-Biosphärenreservat mit seinen uralten und zum größten Teil unzugänglichen Buchenwäldern, einer der letzten wirklich ausgedehnten Rückzugsorte für wild lebende Wildschweine, Hirsche und andere Arten, die fast überall sonst im dichtbesiedelten Europa mit seinen sich beständig ausbreitenden Städten auf dem Rückzug sind.

Die wenigen in dieser Region zu findenden Dörfer sind kleine, ländlich organisierte Gemeinschaften, in denen die Einwohner auf traditionelle Weise zusammenleben. Gerade in großstädtischen Strukturen lebende Menschen empfinden den Alltag in diesen Dörfern als sehr bodenständig und naturverbunden. Insbesondere Kinder aus Ballungsräumen, so heißt es in Bulgarien, können bei Ferien im westlichen Balkangebirge eine Art des Lebens entdecken, die ihnen unglaublich gut tut und sie elementare Werte und Zusammenhänge lehrt. Trotz der Idylle leiden diese dörflichen Gemeinschaften wie viele Orte in den ländlichen Regionen Osteuropas jedoch unter Armut und unter der Landflucht der Jungen, die hier keine Perspektive mehr für sich und ihre Zukunft sehen.

Direkt auf der Grenze zwischen Bulgarien und Serbien liegt der mit 2169 Metern höchste Gipfel des Westbalkans, der Midzhur. Auf der bulgarischen Seite des Berges brüten die letzten noch in Bulgarien lebenden Auerhähne. Um den Midzhur zu besteigen, müssen Sie kein ausgewiesener Bergsteiger sein. Eine gute Kondition reicht zum Erreichen des Gipfels im Rahmen einer Tagestour. Es lohnt sich: Sie werden mit einem atemberaubenden binationalen Ausblick auf das westliche Balkangebirge belohnt, der bis zum Aufgehen des Eisernen Vorhangs zwischen Ost und West wenigen Amtspersonen und Militärs vorbehalten war. Proviant müssen Sie übrigens nicht im Übermaß einpacken. Denn an den Hängen des Midzhur wachsen zahlreiche wilde Früchte wie Himbeeren und Blaubeeren - gesunde und leckere Snacks für zwischendurch.

Produkte aus der Bergwelt Bulgariens

Cherni Vit - In den massiven Höhen des Zentralbalkans

Das zentrale Balkangebirge mit seinen weißen Gipfeln, seinen felsigen Bergmassiven und seinen waldigen Tälern, auf das wir bei der Fortsetzung unserer Reise Richtung Osten stoßen, wirkt im Gegensatz zum Westbalkan sehr viel eher wie ein echtes Hochgebirge. Auch der zu einem solchen gehörige Fluss, der mächtige Iskar, der die Berge in dieser Gegend durchschneidet, trägt viel dazu bei. Hier machen wir Station in der Region rund um das Dorf Cherni Vit. Eigentlich ein beschaulicher Ort, an dem die Schafzucht noch heute so etwas wie einen Hauptwirtschaftszweig darstellt. Seit einiger Zeit jedoch weltbekannt, jedenfalls unter Gourmets. Der Grund dafür: ein ganz besonders delikater, aus Schafsmilch hergestellter Grünschimmelkäse, der ausschließlich in einer einzigen hiesigen Käserei produziert wird.

Es ist kein Zufall, dass diese Spezialität aus dem Zentralbalkan stammt, denn in dieser Gegend wurde vor Jahrhunderten auch eine der beiden traditionellen bulgarischen Schafrassen gezüchtet, die Karakachan-Schafe. Ihre Milch ist sehr proteinreich und zeichnet sich dank eines großen natürlichen Angebotes von Wild- und Wiesenkräutern an den Berghängen, an denen diese Schafe grasen, durch einen besonders pikanten Geschmack aus. Ausschließlich die Milch der Karakachan-Schafe wird verwendet, um in Cherni Vit Grünschimmelkäse herzustellen. Das Herstellungsverfahren gleicht dabei in den ersten Schritten exakt dem für traditionellen bulgarischen Schafskäse. Der einzigartige Grünschimmelkäse aus Cherni Vit lagert allerdings nach seiner Herstellung mehrere Monate bis Jahre in Holzfässern, bis der gewünschte Grad der Schimmelbildung erreicht ist. Letztere wird übrigens durch das spezielle Klima des zentralen Balkangebirges begünstigt, denn aufgrund eines relativ häufigen Wechsels zwischen Sonne und Regen sowie starken Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nacht herrscht hier eine vergleichsweise hohe Luftfeuchtigkeit.

Der gesamte Zentralbalkan steht als einer der größten zusammenhängenden Naturparks in Europa unter Schutz. Ein Grund, warum hier viele Tierarten noch anzutreffen sind, die man in den meisten anderen Ländern Europas nicht mehr findet: zum Beispiel den Europäischen Braunbär. Diese Tiere wandern gern in großzügig bemessenen Gebieten umher und fühlen sich durch Ansiedlungen von Menschen in ihrem natürlichen Habitat gestört. Der Zentralbalkan mit seinen oft menschenleeren Gebieten bietet ihnen also beste Voraussetzungen. Leider kommt es jedoch öfter zu Fällen von Wilderei, obwohl der Europäische Braunbär unter dem besonderen Schutz des bulgarischen Gesetzes steht und seine Bejagung mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft werden kann. Derzeit leben nach Schätzungen von Biologen noch etwa 500 bis 1.000 Europäische Braunbären in Bulgarien.

Veliko Tarnovo - Die Perle des Balkangebirges

Weiter Richtung Osten durch das Balkangebirge vordringend, vorbei am Kloster Troyan und an Apriltsi, gelangen wir auf unserer Reise schließlich zu einer Stadt, die sich mit Fug und Recht zu den schönsten Bulgariens zählen darf: Veliko Tarnovo. Gelegen am Fluss Jantra, einem Nebenfluss der Donau, ist Veliko Tarnovo auf einzigartige Weise direkt an und in dessen felsige Uferhänge hinein erbaut worden. Die Stadt war im Hochmittelalter wirtschaftliches Zentrum und Kapitale des Zweiten Bulgarischen Reiches.

In der heutigen Zeit hat sich Veliko Tarnovo ein künstlerisches und studentisches Flair zugelegt, das sich vor allem in einem der Stadtviertel manifestiert, in dem besonders viele Kunsthandwerker und zahlreiche Galerien zu finden sind. Auch die Ikonenmalerei als altehrwürdiges und in Bulgarien hochangesehenes Handwerk hat sich hier verstärkt etabliert und niedergelassen. Mit seinen engen Gassen, seinen steilen Treppen und seinen zumeist über zweihundert Jahre alten Gebäuden samt ihrem Blumen- und Fahnenschmuck bietet die rund 80.000 Einwohner zählende Gemeinde sich als inspirierende Kulisse dafür aber auch geradezu an.

Nur ein wenig Wegstrecke weiter gibt es als nächsten Punkt unserer kleinen Reise durch das Balkangebirge das auf einer Hochebene befindliche, größtenteils aus wie Miniatur-Festungen wirkenden, vornehmen Villen bestehende Dorf Arbanasi zu entdecken. Berühmt ist es in erster Linie durch seine für die orthodoxe Welt sehr wichtigen fünf alten Kirchen, die sich hier finden lassen. Die älteste und wichtigste ist die Christi-Geburt-Kirche. Im 16. Jahrhundert erbaut, wirkt sie von außen eher unscheinbar. Im Inneren entfaltet sich jedoch ein überwältigender Zauber orthodoxer Ikonographie. In prachtvollen Farben leuchten an Decken und Wänden über dreitausend Figuren und Szenen aus dem Leben Jesu und aus anderen biblischen und religiösen Zusammenhängen auf.

Eine Reise von Westen nach Osten, eine Reise in Richtung Meer

In der Region um Veliko Tarnovo sind Sie vom Meer zwar immer noch rund zweihundert Kilometer entfernt. Dennoch ist das Klima im Vergleich zu den eher rauen Höhen des Zentralbalkans mit seinen schneeweißen Gipfeln und seinen Bergmassiven hier wesentlich milder, fast werden Sie glauben, die Küste schon riechen zu können. Ein Eindruck, der sich verfestigt, je weiter Sie auf dem auch als Kleiner Balkan bezeichneten Kamm des östlichen Balkangebirges weiterreisen in Richtung Schwarzes Meer. Bis Sie schließlich am Ende Ihrer Reise durch eines der faszinierendsten und facettenreichsten Gebirge Europas dort ankommen.

Hört sich nach einer spannenden Reiseroute an? Vielleicht sogar nach einer guten Idee für Ihren nächsten längeren Trip? Einmal auf den Schwingen des Balkangebirges quer durch Bulgarien mit Endstation Strand - das wird auch kulinarisch sicherlich erlebnisreich. Wir wünschen gute Reise, und sind natürlich wie gewohnt jederzeit für Sie da, wenn Sie vorher schon Appetit auf bulgarische Spezialitäten bekommen sollten.

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