Bulgarische Weihnachten - Viele Bräuche zum Fastenessen

Bulgarische Weihnachten - Viele Bräuche zum Fastenessen

05.09.2019 - Kategorien: Allgemein, bulgarische Tradition

Im christlich geprägten Europa hat sich Weihnachten zum wichtigsten Familienfest des Jahres entwickelt. Dabei hat wohl jedes Land in Europa seine eigenen Bräuche entwickelt und Bulgarien macht hier keine Ausnahme. Der orthodoxe und religiös geprägte Staat hat eine besondere Beziehung zum Weihnachtsfest und im Laufe der Jahrhunderte sind zahlreiche spannende Bräuche entstanden, die wir Ihnen in unserem Blogbeitrag näherbringen möchten.

Bulgarisches Weihnachten im Jahreskalender

Bulgarien ist ein orthodoxer Staat, mit einem eigenen Religionszweig. Die bulgarisch-orthodoxe Kirche gehört zur christlichen Glaubensrichtung, weshalb in Bulgarien das Weihnachtsfest groß gefeiert wird. Generell ist Bulgarien jedoch kein sehr religiöses Land, was mit der kommunistischen Geschichte zusammenhängt. Dennoch leben in Bulgarien 4,4 Millionen Anhänger der bulgarisch-orthodoxen Kirche, die am 25. und 26. Dezember Weihnachten feiern. Dies mag Sie verwunden, weil doch das orthodoxe Weihnachtsfest traditionell am 07. Januar gefeiert wird. Bulgarien hingegen besitzt den Gregorianischen Kalender und hat somit seine Kirchenfeste an den westlichen Kalender angepasst. Weihnachten findet somit nicht am 07. Januar statt, sondern wie im westlichen Europa auch, am 25. und 26. Dezember. Diese beiden Tage sind daher auch gesetzliche Feiertage in Bulgarien. Am 24. Dezember wird hingegen gearbeitet, jedoch wird auch der Heilige Abend in der Familie zelebriert. Dies jedoch nicht als Weihnachtsfest, sondern als Teil der Fastenzeit, aber dazu später mehr. Das Weihnachtsfest in Bulgarien wird als Koleda (Коледа) oder Roschdeßtwo Chrißtowo (Рождество христово) bezeichnet. Die Menschen wünschen sich im Land "Weßela Koleda!", was so viel wie "Frohe Weihnachten" bedeutet.

Bulgarische Fastenzeit statt Advent

In Bulgarien findet vor Weihnachten eine Fastenzeit statt, ähnlich der, die in Deutschland vor Ostern erfolgt. Die Phase des Fastens startet am 15. November und geht bis einschließlich zum 24. Dezember. In diesen Tagen verzichten gläubige orthodoxe Christen auf Fleisch. Es sollen ausschließlich vegetarische Gerichte auf den Tisch kommen, welche zuvor mit pflanzlichem Fett zubereitet wurden. Eine große Ausnahme von dieser Regel ist der 06. Dezember, an dem der Nikolaustag gefeiert wird. Der Heilige Nikolaus spielt in der orthodoxen Kirche eine wichtige Rolle, weshalb sein Tag von den Bulgaren als Fastenbrechen genutzt wird. Traditionell wird am 06. Dezember Fisch gegessen, da der Heilige Nikolaus als Beschützer der Fischer gilt. Das Ende der Fastenzeit findet am Weihnachtstag statt und wird am Heiligen Abend zuvor zelebriert.

Familiäres bulgarisches Weihnachtsfest

Wie überall in Europa, ist Weihnachten auch in Bulgarien ein Fest für die Familie mit religiösem Hintergrund. Die Tage werden von den Bulgaren genutzt, um mit der Familie zusammenzukommen und gemeinsam zu feiern und zu essen. Eigentlich kannten die Bulgaren den Brauch des Schenkens nicht, doch hat dieser im Zuge der Globalisierung auch in Südosteuropa Einzug erhalten. Die Geschenke werden vom Weihnachtsmann, dem "Djado Koleda", in der Nacht vom 24. Dezember auf den 25. Dezember gebracht und alle braven Kinder bekommen diese am Morgen des ersten Weihnachtstages überreicht. Die Kommerzialisierung des Weihnachtsfestes ist auch an Bulgarien nicht spurlos vorbeigegangen. Die Einkaufsstraßen in den Städten erhalten eine festliche Dekoration, Weihnachtsbäume werden in den Geschäften aufgestellt und internationale Weihnachtsklassiker kommen aus den Lautsprechern. In den Regalen der Supermärkte werden Spekulatius, Stollen und Lebkuchen eingeräumt, die teilweise sogar aus Deutschland importiert werden. Das große Geschäft rund um Weihnachten steigert sich von Jahr zu Jahr, ist aber meist noch auf die Großstädte beschränkt. Dennoch behalten sich die Bulgaren ihre Traditionen und Bräuche zum Weihnachtsfest bei, welche wir Ihnen jetzt vorstellen möchten.

Heiligabend in Bulgarien

Der Heilige Abend ist in der orthodoxen Kirche ein Arbeitstag und Bestandteil der Fastenzeit. Allerdings kommt es am Abend vor der Christmette zu einem gemeinsamen letzten Fastenessen, welches von vielen Bräuchen begleitet wird. Schon bei der Einladung wird darauf geachtet, dass eine ungerade Zahl an Gästen an den Tisch kommt, da diese Anzahl einen besonderen Hintergrund hat. Ebenfalls spielt die Anzahl der Gänge eine wichtige Rolle. Während des Essens werden Walnüsse gereicht, ein Brotlaib verteilt und im Anschluss Weihrauch geschwenkt. Während der gesamten Nacht bleibt die Tafel gedeckt und es wird nicht abgeräumt. Jedes dieser Brauchtümer hat einen besonderen traditionellen Hintergrund, bei dem der Aberglaube, wie so oft, eine entscheidende Rolle spielt.

Bulgarischer Brauch - Ungerade Ganganzahl

Zum letzten Fastenessen an Heiligabend werden sieben, neun, oder sogar 13 Gerichte gereicht. Da die Fastenzeit erst nach der Christmette endet und vorher gegessen wird, ist das Essen an Heiligabend Bestandteil der Fastenzeit. Aus diesem Grund handelt es sich bei allen Gerichten um vegetarische Nahrung. Wie bereits erwähnt, muss auch die Anzahl der Gäste beim Fastenessen ungerade sein. Die ungerade Gang- und Gastanzahl steht dabei für eine jeweilige Bedeutung. Kommen sieben Gänge auf den Tisch, stehen diese für die Anzahl der Wochentage. Sind es 9 Gänge, geben sie die Anzahl der Monate während einer Schwangerschaft wieder. 13 ist die Anzahl der Apostel mit Jesus hinzugerechnet. Außerdem wird immer wieder die Zahl 33 genannt, welche für das Alter steht, mit dem Jesus am Kreuze starb.

Das bulgarische Fastenessen an Heiligabend

Die Nahrung an Heiligabend ist vegetarisch, da vor der Christmette die Fastenzeit noch nicht beendet wurde. Zunächst werden als erster Gang in Bulgarien traditionell einfache Linsen gereicht, was den Hintergrund hat, dass Hülsenfrüchte für Gesundheit stehen und dies den Menschen am Wichtigsten ist. Im Anschluss kommen viele weitere Lebensmittel zum Gebrauch, deren Reihenfolge wahllos ausgesucht werden kann. Hierzu zählen:

- Mit Bohnen gefüllte Paprika
- Gefüllte Weinblätter
- Bohnensuppe
- Obstsalat mit Orangen, Äpfeln oder Birnen
- Getrocknetes Obst wie Pflaumen, Datteln, Quitten oder Feigen
- Nüsse
- Kerne wie Sonnenblumen oder Kürbis
- Gekochter Weizen mit Honig

Dazu die typischen Gerichte:

- Sarmi: mit Reis und Rosinen gefüllte Kohlblätter
- Pitka: ein traditionelles Hefebrot
- Baniza: ein Blätterteiggebäck
- Oshaf: Gekochte Trockenfrüchte
- Tikvenik: Ein Strudel mit Kürbis

Um auf eine ungerade und hohe Anzahl der Gänge zu kommen, wird jedes Gericht einzeln serviert. Damit handelt es sich bei jeder Speise um einen Gang und es werden schnell die gewünschten neun oder 13 Gänge erreicht. Es ist zudem so, dass viele Gerichte eine weitere Bedeutung beigemessen wird. So stehen beispielsweise Zwiebeln für Wohlhaben, Honig für ein süßes Leben und Knoblauch schützt vor bösen Geistern. Wie Sie merken, ist das letzte Fastenessen eine ganz besondere Zeremonie an Heiligabend. Als Getränk wird übrigens den ganzen Abend über viel Rotwein gereicht.

Von Walnüssen und geteiltem Brot

In Bulgarien gibt es zwei interessante Bräuche, die teilweise in das Essen eingebaut werden, teilweise auch danach stattfinden, sind das Knacken von Walnüssen und die Teilung vom Brot. Bei dem Brauch mit der Nuss erhält jeder Gast am Tische eine Walnuss ausgehändigt und muss diese vor den anderen Gästen knacken. Der Inhalt spiegelt den Erfolg und Misserfolg im kommenden Jahr wider. Ist die Nuss beispielsweise leer, wird es ein schwieriges Jahr. In einem weiteren Schritt gibt es das Brot, das vom Ältesten am Tisch gereicht wird. Das Brot beinhaltet eine eingebackene Münze und ist als christliches Motiv geformt, meist als Kreuz. Die ersten Stücke vom Brot sind für Gott, die heilige Maria, das Haus oder die Arbeit reserviert. Anschließend erhalten die Gäste ihre Stücke. Wer nun die Münze in seinem Stück findet, dem wird ein gutes und gesundes Jahr vorausgesagt. Es ist jedoch wichtig, dass die Münze vor dem Schlafengehen unter dem Kopfkissen verstaut wird.

Weitere bulgarische Bräuche am 24. Dezember

Es drehen sich am Heiligabend jedoch nicht alle Bräuche um das Essen. Das älteste Familienmitglied hat in Bulgarien noch weitere Aufgaben. Ihm wird die Ehre zuteil, das Feuer zu entfachen, welches dann meist in einem offenen Kamin lodert. Verbrannt wird der sogenannte Badnik. Hierbei handelt es sich um ein Stück Holz aus einem Eichenbaum. Brennt dieser den ganzen Abend lang, so wird es ein gesundes und schönes neues Jahr. Eine zweite Aufgabe ist der Gang mit Weihrauch durch alle Zimmer im Haus. Dies hat den Hintergrund, dass böse Geiste aus dem Haus vertrieben werden. Nach dem Essen besteht der weitere Brauch, dass das Essen nicht abgeräumt wird. Der Tisch bleibt gedeckt, weil laut Volksglaube in der Nacht die verstorbenen Vorfahren oder der Herrgott persönlich zu Besuch kommen.

Die bulgarischen Koledari kommen

Ein weitverbreiteter bulgarischer Brauch ist das Sternsingen der Koledari. Ab Mitternacht ziehen junge Männer durch die Dörfer in Bulgarien und klingeln an den Häusern. Oftmals haben die Koledari ein Lied oder eine besondere Performance einstudiert. Die Männer sind verkleidet, wobei sich die Kostüme von Region zu Region unterscheiden. Gemeinsam haben Sie jedoch die mit Popcorn dekorierten Stöcke aus Kornelkirschen, mit denen die Rücken der besuchten Hausbewohner getätschelt werden. Dabei wünschen die jungen Männer ein gesundes und frohes neues Jahr. Außerdem wollen sie so ungebetene Geister aus den Wohnungen vertreiben. Als Gegenleistung für ihre Wünsche bekommen die Koledari von den Hausbewohnern Brezel, Süßigkeiten und häufig auch viel Wein. In manchen Fällen gehört auch Geld zur Belohnung.

Während der Weihnachtsfeiertage

Es schein so, als müssten sich die Menschen in Bulgarien an den eigentlichen Feiertagen, also dem 25. und 26. Dezember von all ihren Bräuchen erholen. Das Weihnachtsfest selbst ist nämlich frei von traditionellen Tätigkeiten. Hier steht die Familie voll und ganz im Vordergrund und es wird besinnlich gefeiert. Außerdem gehört ein reichhaltiges Essen nach der langen Fastenzeit selbstverständlich dazu. Hierbei kommt nach längerer Zeit wieder Fleisch auf den Tisch. Meist Schwein oder Geflügel, aber auch Fisch ist in Bulgarien traditionell sehr beliebt. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern gibt es in Bulgarien jedoch kein typisches Weihnachtsessen. Neben Fleischgerichten wird jedoch viel Wert auf süße Speisen wie Kuchen oder Nachtische gelegt. Das Essen dauert sehr lange und die Bulgaren trinken gerne Rotwein über die Feiertage.

Silvester und Neujahr in Bulgarien

Schauen wir kurz auf die Tage nach Weihnachten und nehmen den Jahreswechsel in den Blick. Silvester wird wie in Deutschland bei Freunden und in Kneipen gefeiert und es befindet sich viel Alkohol im Ausschank. Ein besonderer Brauch ist das Verteilen eines großen runden Böreks. Kurz nach dem Jahreswechsel hat der älteste Gast die Aufgabe, das Blech mit dem Börek drei Mal zu drehen, bis dieses zum Stehen kommt. Jeder Gast muss nun das Stück vom Börek nehmen, welches vor ihm liegt. Zwischen den Teigblättern wurden im Vorfeld Wünsche wie Glück, Erfolg, Liebe, Gesundheit oder auch Faulheit eingearbeitet. Jeder erhält ein Los und kann sich im kommenden Jahr über den gezogenen Wunsch freuen. Am Neujahrstag findet morgens ein ähnlicher Brauch wie beim Koledari an Weihnachten statt. Die Kinder besuchen verkleidet und mit dekorierten Hartriegelzweigen ihre Eltern und Großeltern und klopfen diesen auf den Rücken. Dabei tragen sie Gedichte vor und überbringen Wünsche für das neue Jahr. Die Erwachsenen bedanken sich mit Süßigkeiten oder einem kleinen Taschengeld.

Deutsche Bräuche in Bulgarien

Werfen wir zum Abschluss einen Blick auf die deutschen Bräuche und wie damit in Bulgarien umgegangen wird. Zunächst schauen wir auf den deutschen Exportschlager Weihnachtsmarkt. Dieser ist in Bulgarien weitgehend unbekannt. Erklären lässt sich dies mit der strengen Fastenzeit, die mit einem Weihnachtsmarkt rund um kandierte Äpfel und gebrannte Mandeln doch so gar nicht zusammenpassen will. Vereinzelt, vor allem in großen Städten, gibt es sie aber tatsächlich. Die Weihnachtsmärkte in Bulgarien sind eher Kopien deutscher Ausgaben. Die Märkte im Stadtgarten in Sofia oder auf dem Stamolov-Platz in Plovdiv erinnern stark an den Nürnberger Christkindlmarkt. Ebenfalls durch die Fastenzeit unbekannt sind der Adventskalender oder der Adventskranz. Die Bulgaren bereiten Ihren Körper auf Weihnachten vor und daher passen Süßigkeiten aus dem Adventskalender nicht zur Vorweihnachtszeit. Den Weihnachtsbaum gibt es hingegen auch in Bulgarien. Der Christbaumschmuck ist bunt und weist eine hohe Dichte auf. Es ist üblich, dass der Baum bis zum 07. Januar, dem orthodoxen Weihnachten, stehen bleibt. Außerdem werden die Geschenke auch in Bulgarien unter dem Baum platziert. Die Krippe suchen Sie in Bulgarien allerdings vergeblich.

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